Inhalt und Pressetext, Heft 49

Prekäre Arbeitsgesellschaft

Klaus Dörre
Entsicherte Arbeitsgesellschaft.
Politik der Entprekarisierung

Eva Nadai
Der kategorische Imperativ der Arbeit.
Vom Armenhaus zur aktivierenden Sozialpolitik

Roland Atzmüller
Nach der neoliberalen Revolution.
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik nach dem Thatcherismus

Gabriele Michalitsch
Laissez-travailler. Geschlechter-Regime durch Arbeit

Alexandra Rau
Psychopolitik als Regierungsweise.
Zur Subjektivierung von Arbeit

Franz Segbers
Arbeit unter Zwang.
Die Zukunft personnaher Arbeit

Kurt Wyss
Workfare in der Sozialhilfereform.
Die Revision der SKOS-Richtlinien in der Schweiz

Andreas Rieger
1000-Franken-Jobs – eine Scheinlösung.
Wie das Zürcher Sozialdepartement die gewerkschaftliche Arbeitspolitik torpediert

Ueli Mäder
Exklusion – die neue soziale Frage

Frieder Otto Wolf
Schwierigkeiten einer neuen Politik der Arbeit

Gisela Notz
Grundeinkommen gegen Ungleichheit und Armut?
Anmerkungen aus feministischer Sicht
Therese Wüthrich
Für eine gewerkschaftliche Debatte zum Grundeinkommen
Franz Schandl
Vom Einkommen zum Auskommen.
Zu Plausibilität und Kritik des garantierten Grundeinkommens

Diskussion
Adrian Zimmermann
Keine Sozialdemokratie ohne Wirtschaftsdemokratie.
Zur Geschichte und Aktualität einer Debatte
Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika
Kollaboration mit dem Apartheidregime.
Skandalöse Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms NFP 42+
Stefan Howald
Billiges Geld – für alle?
Thesen zur Debatte um Mikrokredite
Philipp Gerber
Zapatistische Autonomie und die Last der Solidarität.
Die Kaffeekooperative Mut Viz als Pionierprojekt
Irmtraud Schlosser
Solidarische Ökonomie.
Brasilianische und deutsche Erfahrungen

Marginalien / Rezensionen

Franz Nahrade
Neue Arbeit. Neue Kultur.
Frithjof Bergmanns Alternativen

Michael Schiffmann zu Michael Albert: Parecon. Leben nach dem Kapitalismus

Julia Lepperhoff zu Karin Lohr/ Hildegard M. Nickel (Hrsg.): Subjektivierung von Arbeit – Riskante Chancen

Eva Wonneberger zu Ingrid Kurz-Scherf et al. (Hrsg.): In Arbeit: Zukunft

Simone Mazari zu SubArO (Hrsg.): Ökonomie der Subjektivität

Alessandro Pelizzari zu Chantal Magnin: Beratung und Kontrolle - sowie zu Caroline Bühler: Vom Verblassen beruflicher Identität

Pascal Jurt zu Loïc Wacquant: Punir les pauvres

Peter Streckeisen zu Kurt Imhof /Thomas S. Eberle (Hrsg.): Triumph und Elend des Neoliberalismus

Heinz Zimmermann zu Wolfgang Hafner: Im Strudel der Finanzmärkte. Pensionskassen in der Schweiz

Tim Engartner zu Christoph Butterwegge: Krise und Zukunft des Sozialstaates


Inhalt
und Pressetext, Heft 49


Prekäre Arbeitsgesellschaft


Massenarbeitslosigkeit und Deregulierung der Arbeitsmärkte unterhöhlen im neoliberalen Marktregime das finanzielle Fundament des Sozialstaates, verändern die Verteilungspolitiken und beschleunigen die Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse. Die «Rückkehr der Unsicherheit» (R.Castel) ist unübersehbar; die Arbeitsgesellschaft, in der jahrzehntelang durch Lohnarbeit gesellschaftliche, soziale und kulturelle Integration gewährleistet war, ist nach Klaus Dörre entsichert. Notwendig ist eine Politik der Entprekarisierung als Alternative zu der von Eva Nadai untersuchten aktivierenden Sozialpolitik. Die gesellschaftliche Dynamik zwischen Integration und Ausschluss prägt nach Ueli Mäder eine neue Form der sozialen Ungleichheit: Exklusion als die soziale Frage im 21. Jahrhundert.

Wie Roland Atzmüller rekonstruiert, gilt Welfare-to-work seit 1997 als Regierungsprojekt von New-Labour zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Aktivierung der Arbeitslosen. Und am Beispiel von Österreich zeigt -Gabriele Michalitsch auf, wie in Kombination mit Workfare-Politik die Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse an Boden gewinnt. Auch in der Schweiz haben nach Kurt Wyss die Workfare-Konzepte in der Sozialhilfereform ausschliesslich Benachteiligungen für die Betroffenen zur Folge. Und das Zürcher Sozialdepartement, so Andreas Rieger, torpediert mit der Devise «Arbeit statt Fürsorge» die gewerkschaftliche Arbeitspolitik. Gerade in deren Neuansätzen sieht Frieder Otto Wolf eine neue Politik der Arbeit mit gesellschaftspolitischem Gestaltungspotential.

Im Anschluss an die Debatte zur „Subjektivierung von Arbeit“ erweitert Alexandra Rau die Analyse neoliberaler Strategien um den Aspekt der Psychopolitik. In den Hartz-Reformen herrscht nach Franz Segbers Zwangsarbeit vor; die Zukunft der Arbeit liegt seines Erachtens in personnahen Dienstleistungen. Neu entbrannt sind die Kontroversen um das garantierte Grundeinkommen und das Recht auf existenzsichernde Erwerbsarbeit. Dazu Stellung nehmen in kritischen Beiträgen Gisela Notz, Therese Wüthrich und Franz Schandl.

Den Diskussionsteil eröffnet Adrian Zimmermann mit einer Intervention in die SPS-Witschaftskonzept-Debatte: keine Sozialdemokratie ohne Wirtschaftsdemokratie. Kollaboration der Schweiz mit dem Apartheidregime, so das Fazit der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika, die die skandalösen Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms sichtet und kommentiert. Aktivitäten und Publikationen zum 2005 von der UNO ausgerufenen Jahr des Mikrokredits schätzt Stefan Howald ein. Von den Schwierigkeiten und Perspektiven der zapatistischen Kaffeekooperative Mut Viz in Chiapas berichtet Philipp Gerber. Letztlich geht es, wie Irmtraud Schlosser resümiert, um solidarische Ökonomie, um bedürfnisorientiertes Wirtschaften als Zukunftsmodell.


Marginalien und Rezensionen schliessen das umfangreiche Heft 49 ab.


WIDERSPRUCH 49: Prekäre Arbeitsgesellschaft

232 Seiten, Fr. 25.- / EUR 16.-,

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