Inhalt und Pressetext, Heft 49
Prekäre Arbeitsgesellschaft
Massenarbeitslosigkeit und Deregulierung der Arbeitsmärkte unterhöhlen im neoliberalen Marktregime das finanzielle Fundament des Sozialstaates, verändern die Verteilungspolitiken und beschleunigen die Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse. Die «Rückkehr der Unsicherheit» (R.Castel) ist unübersehbar; die Arbeitsgesellschaft, in der jahrzehntelang durch Lohnarbeit gesellschaftliche, soziale und kulturelle Integration gewährleistet war, ist nach Klaus Dörre entsichert. Notwendig ist eine Politik der Entprekarisierung als Alternative zu der von Eva Nadai untersuchten aktivierenden Sozialpolitik. Die gesellschaftliche Dynamik zwischen Integration und Ausschluss prägt nach Ueli Mäder eine neue Form der sozialen Ungleichheit: Exklusion als die soziale Frage im 21. Jahrhundert.
Wie Roland Atzmüller rekonstruiert, gilt Welfare-to-work seit 1997 als Regierungsprojekt von New-Labour zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Aktivierung der Arbeitslosen. Und am Beispiel von Österreich zeigt -Gabriele Michalitsch auf, wie in Kombination mit Workfare-Politik die Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse an Boden gewinnt. Auch in der Schweiz haben nach Kurt Wyss die Workfare-Konzepte in der Sozialhilfereform ausschliesslich Benachteiligungen für die Betroffenen zur Folge. Und das Zürcher Sozialdepartement, so Andreas Rieger, torpediert mit der Devise «Arbeit statt Fürsorge» die gewerkschaftliche Arbeitspolitik. Gerade in deren Neuansätzen sieht Frieder Otto Wolf eine neue Politik der Arbeit mit gesellschaftspolitischem Gestaltungspotential.
Im Anschluss an die Debatte zur „Subjektivierung von Arbeit“ erweitert Alexandra Rau die Analyse neoliberaler Strategien um den Aspekt der Psychopolitik. In den Hartz-Reformen herrscht nach Franz Segbers Zwangsarbeit vor; die Zukunft der Arbeit liegt seines Erachtens in personnahen Dienstleistungen. Neu entbrannt sind die Kontroversen um das garantierte Grundeinkommen und das Recht auf existenzsichernde Erwerbsarbeit. Dazu Stellung nehmen in kritischen Beiträgen Gisela Notz, Therese Wüthrich und Franz Schandl.
Den Diskussionsteil eröffnet Adrian Zimmermann mit einer Intervention in die SPS-Witschaftskonzept-Debatte: keine Sozialdemokratie ohne Wirtschaftsdemokratie. Kollaboration der Schweiz mit dem Apartheidregime, so das Fazit der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika, die die skandalösen Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms sichtet und kommentiert. Aktivitäten und Publikationen zum 2005 von der UNO ausgerufenen Jahr des Mikrokredits schätzt Stefan Howald ein. Von den Schwierigkeiten und Perspektiven der zapatistischen Kaffeekooperative Mut Viz in Chiapas berichtet Philipp Gerber. Letztlich geht es, wie Irmtraud Schlosser resümiert, um solidarische Ökonomie, um bedürfnisorientiertes Wirtschaften als Zukunftsmodell.
Marginalien und Rezensionen schliessen das umfangreiche Heft 49 ab.
WIDERSPRUCH 49: Prekäre Arbeitsgesellschaft
232 Seiten, Fr. 25.- / EUR 16.-,
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