Inhalt und Zusammenfassung, Heft 47

Agrobusiness - Hunger und Recht auf Nahrung

Arundhati Roy
Der Weg nach Harsud

Jean Ziegler
Das tägliche Massaker des Hungers

Samir Amin
Die neue Agrarfrage. Drei Milliarden Bäuerinnen
und Bauern sind bedroht

Marianne Hochuli
Marktöffnung als Armutsbekämpfungsstrategie?
Landwirtschaft Süd-Nord, WTO und
die entwicklungspolitischen Organisationen

Henning Melber
Umstrittenes Territorium.
Die Landfrage im Südlichen Afrika

Birgit Englert
Landrechte von Frauen in Afrika.
Ein Blick auf die gegenwärtige Debatte

Renate Schüssler
Frauen und das Recht auf Nahrung.
Agrarreformen, Landmärkte und Geschlechterverhältnisse in Lateinamerika

Andreas Missbach
Lula und die Landlosenbewegung.
Brasilien zwischen Binnenmarkt und Exportboom

Qin Hui
Vom Aufteilen des Familiensilbers.
Chinas ländliche Bevölkerung und die Modernisierung

Christa Wichterich
Das Livelihood-Konzept.
Ernährungssicherung als entwicklungspolitischer Paradigmenwechsel
– feministisch gesehen

Christoph Görg
Ökologischer Imperialismus.
Ressourcenkonflikte und ökologische Abhängigkeiten
in der neoliberalen Globalisierung
Achim Brunnengräber / Melanie Weber
Klimawandel als Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse.
Zur Mehrebenenstruktur in der Klimapolitik
Corinna Heineke
Die umkämpfte biologische Vielfalt
Tina Goethe
Hunger und das Scheitern der Agro-Gentechnologie
François Meienberg
Wer die Saat hat, hat das Sagen
Felipe Polanía Rodriguez, Barbara Rimml
Nestlé in Kolumbien – nachhaltige Zerstörung
Miriam Behrens, Fernand Cuche, Herbert Karch
Perspektiven der Landwirtschaft in der Schweiz.
Agrarpolitische Leitsätze aus Sicht der Grünen

Diskussion
Claudia von Werlhof
Natur, Maschine, Mimesis.
Zur Kritik patriarchalischer Naturkonzepte
Peter Niggli
Alternativen zum „liberalen Imperialismus“.
Entwicklungspolitische Leitlinien schweizerischer Hilfswerke
Rainer Falk
Abschied von der Strukturanpassung?
Die neue Vergabepolitik der Weltbank

Ulrich Brand
Deglobalisierung – der Perspektivenwechsel.
Walden Bellos alternative Strategien

Frieder Otto Wolf
Das Projekt der Multitude. Rückfragen zum neuen
Buch von Antonio Negri und Michael Hardt

Marginalien / Rezensionen

Brigitte Anderegg
Selbstmordwelle verschuldeter Bauern in Indien

Urs Sekinger
Die moderne Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft Europas

Gottfried Oy
Politische Ökologie des Hungers. Mike Davis „Geburt der Dritten Welt“

Edo Schmidt über Anne Huffschmid: Diskursguerilla.
Die Zapatistas im Spiegel der mexikanischen und internationalen Öffentlichkeit

Johannes Gruber über J. Beerhorst / A. Demirovic /
M. Guggemos (Hg.): Kritische Theorie im gesellschaftlichen Strukturwandel

Weitere Literaturhinweise

Zeitschriftenschau



Inhalt
und Zusammenfassung, Heft 47


WIDERSPRUCH - Heft 47
Agrobusiness - Hunger und Recht auf Nahrung

Im Rahmen der Globalisierungsdebatte wird viel von Entwicklung geredet, wenig von Zerstörung, Vertreibung und Elend. Arundhati Roy berichtet, wie Wasserkraft- und Energiekonzerne im Zusammenspiel mit der indischen Regierung, der Weltbank und den internationalen Banken die Bevölkerung der alten Stadt Harsud zwangen, dem Bau des Narmada-Sagar-Staudamms zu weichen. Auch das alltägliche stille Massaker durch Armut und Hunger, so Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, ist weder ein Schicksalsschlag noch eine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht, von Staaten und Institutionen ohne jegliche Beachtung von Menschenrechten hingenommen. Was Samir Amin und die weltweite Kleinbauernbewegung Via Campesina dazu führt, verstärkt für die Ernährungssouveränität der Entwicklungsländer zu kämpfen, die durch die aggressiven Exportstrategien des Agrobusiness untergraben wird. Denn der liberalisierte Agrarhandel hat, wie Marianne Hochuli darlegt, in vielen Entwicklungsländern die Armut nicht vermindert, im Gegenteil.

Armutsbekämpfung mittels Landreform? Henning Melber erörtert die soziokulturellen Aspekte der Landpolitik im Südlichen Afrika, Birgit Englert die Umsetzungsprobleme bei Landrechten von Frauen und Renate Schüssler die anhaltende Diskriminierung von Frauen in Lateinamerika und die Feminisierung der Armut im Zuge der Agrarreformen. In Brasilien bedroht Lulas exportorientierte Wirtschaftspolitik nach Andreas Missbach die Ziele der Landlosenbewegung, während Quin Hui durch den WTO-Beitritt Chinas für die Bauernschaft nicht zwangsläufig den Abschied von der Utopie sieht.

Das Livelihood-Konzept, vorgestellt von Christa Wichterich, thematisiert den Zusammenhang von Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung. Letztere hat eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse eingeleitet, welche nach Christoph Görg eine neue Einschätzung der globalen Ökologieproblematik erfordert. Mit dem globalen ökologischen System, seinen Ebenen und Akteuren befassen sich Achim Brunnengräber und Melanie Weber in ihrer Studie über Klimapolitik und Klimawandel. Die 1992 in Rio verabschiedete Konvention über biologische Vielfalt bleibt, so Corinna Heineke, politisch umkämpft. Hingegen ist inzwischen unbestritten, dass die Agro-Gentechnologie, wie Tina Goethe ausführt, die kleinbäuerlichen Betriebe in den Ruin treibt. Die Agrokonzerne, so François Meienberg, sichern sich mit der Einführung des gentechnisch veränderten und patentierten Saatguts die Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion. Am Beispiel des Milchpulvers zeigen Barbara Rimml und Felipe Polanía die Marktstrategien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé auf. Die Schweizer Landwirtschaft steht unter massivem Liberalisierungsdruck; Miriam Behrens, Fernand Cuche und Herbert Karch skizzieren die agrarpolitischen Leitsätze aus Sicht der Grünen.

Den Diskussionsteil eröffnet Claudia von Werlhof mit einer Kritik patriarchalischer Naturkonzepte; sie plädiert für einen neuen, lebensdienlichen Umgang mit der Natur. Peter Niggli begründet die entwicklungspolitischen Leitlinien und Prioritäten schweizerischer Hifswerke im Spannungsfeld der neoliberalen Globalisierung. Hat die Weltbank ihre Strukturanpassungsprogramme aufgegeben? Es kommentiert Rainer Falk. Ulrich Brand setzt sich mit strategischen und theoretischen Aspekten der Deglobalisierung, Frieder Otto Wolf mit dem Projekt der Multitude von A. Negri und M. Hardt auseinander.

Marginalien und Rezensionen sowie die Zeitschriftenschau schliessen das umfangreiche Heft 47 ab.

WIDERSPRUCH 47: Agromultis - Hunger und Recht auf Nahrung

232 Seiten, Fr. 25.- / EUR 16.-,

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WIDERSPRUCH, Postfach, CH-8026 Zürich

Tel./Fax 0041 (0)44 273 03 02,

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