Inhalt
und Zusammenfassung, Heft 47
WIDERSPRUCH - Heft 47
Agrobusiness - Hunger und Recht auf Nahrung
Im Rahmen der Globalisierungsdebatte wird viel von Entwicklung geredet, wenig von Zerstörung, Vertreibung und Elend. Arundhati Roy berichtet, wie Wasserkraft- und Energiekonzerne im Zusammenspiel mit der indischen Regierung, der Weltbank und den internationalen Banken die Bevölkerung der alten Stadt Harsud zwangen, dem Bau des Narmada-Sagar-Staudamms zu weichen. Auch das alltägliche stille Massaker durch Armut und Hunger, so Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, ist weder ein Schicksalsschlag noch eine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gemacht, von Staaten und Institutionen ohne jegliche Beachtung von Menschenrechten hingenommen. Was Samir Amin und die weltweite Kleinbauernbewegung Via Campesina dazu führt, verstärkt für die Ernährungssouveränität der Entwicklungsländer zu kämpfen, die durch die aggressiven Exportstrategien des Agrobusiness untergraben wird. Denn der liberalisierte Agrarhandel hat, wie Marianne Hochuli darlegt, in vielen Entwicklungsländern die Armut nicht vermindert, im Gegenteil.
Armutsbekämpfung mittels Landreform? Henning Melber erörtert die soziokulturellen Aspekte der Landpolitik im Südlichen Afrika, Birgit Englert die Umsetzungsprobleme bei Landrechten von Frauen und Renate Schüssler die anhaltende Diskriminierung von Frauen in Lateinamerika und die Feminisierung der Armut im Zuge der Agrarreformen. In Brasilien bedroht Lulas exportorientierte Wirtschaftspolitik nach Andreas Missbach die Ziele der Landlosenbewegung, während Quin Hui durch den WTO-Beitritt Chinas für die Bauernschaft nicht zwangsläufig den Abschied von der Utopie sieht.
Das Livelihood-Konzept, vorgestellt von Christa Wichterich, thematisiert den Zusammenhang von Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung. Letztere hat eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse eingeleitet, welche nach Christoph Görg eine neue Einschätzung der globalen Ökologieproblematik erfordert. Mit dem globalen ökologischen System, seinen Ebenen und Akteuren befassen sich Achim Brunnengräber und Melanie Weber in ihrer Studie über Klimapolitik und Klimawandel. Die 1992 in Rio verabschiedete Konvention über biologische Vielfalt bleibt, so Corinna Heineke, politisch umkämpft. Hingegen ist inzwischen unbestritten, dass die Agro-Gentechnologie, wie Tina Goethe ausführt, die kleinbäuerlichen Betriebe in den Ruin treibt. Die Agrokonzerne, so François Meienberg, sichern sich mit der Einführung des gentechnisch veränderten und patentierten Saatguts die Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion. Am Beispiel des Milchpulvers zeigen Barbara Rimml und Felipe Polanía die Marktstrategien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé auf. Die Schweizer Landwirtschaft steht unter massivem Liberalisierungsdruck; Miriam Behrens, Fernand Cuche und Herbert Karch skizzieren die agrarpolitischen Leitsätze aus Sicht der Grünen.
Den Diskussionsteil eröffnet Claudia von Werlhof mit einer Kritik patriarchalischer Naturkonzepte; sie plädiert für einen neuen, lebensdienlichen Umgang mit der Natur. Peter Niggli begründet die entwicklungspolitischen Leitlinien und Prioritäten schweizerischer Hifswerke im Spannungsfeld der neoliberalen Globalisierung. Hat die Weltbank ihre Strukturanpassungsprogramme aufgegeben? Es kommentiert Rainer Falk. Ulrich Brand setzt sich mit strategischen und theoretischen Aspekten der Deglobalisierung, Frieder Otto Wolf mit dem Projekt der Multitude von A. Negri und M. Hardt auseinander.
Marginalien und Rezensionen sowie die Zeitschriftenschau schliessen das umfangreiche Heft 47 ab.
WIDERSPRUCH 47: Agromultis - Hunger und Recht auf Nahrung
232 Seiten, Fr. 25.- / EUR 16.-,
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