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Inhalt und Zusammenfassung, Heft 45
WIDERSPRUCH - Heft 45
Bildung, Wissen, Informationstechnologie
Seit dem Siegeszug der Kommunikationstechnologien gelten Information und Wissen als neue Produktionsfaktoren im Kapitalismus. Der exklusive Zugriff auf Wissen ermöglicht das Abschöpfen hoher Profite, jede Information wird zur Ware. Dagegen markieren die Leitgedanken einer ökologisch und lebensweltlich orientierten Wissens- und Kulturgesellschaft von André Gorz mögliche Alternativen zum totalitären Vorhaben von Wissenschaft und Kapital, zur posthumanen Zivilisation. Jörg Becker wirft einen Blick zurück auf Geschichte und Probleme der Informations- und Kommunikationstechnologien im 20. Jahrhundert. Reinhart Kössler würdigt die bahnbrechende Trilogie von Manuel Castells über das Informationszeitalter.
Rainer Fischbach entmystifiziert die Phantome der Wissensgesellschaft und der Wissensökonomie; bei allem sich beschleunigenden technischen Fortschritt und aller Effizienzsteigerung - eine Entmaterialisierung der Wirtschaft ist nicht in Sicht, die Arbeit geht nicht aus. Als Medium der Netzwerkgesellschaft ermöglicht das Internet, so Rainer Rilling und Christoph Spehr in ihren Thesen, auch für die Linke neue Formen der Öffentlichkeits- und Mobilisierungspolitik. Ist frei zugängliche Software die Keimform einer freien Gesellschaft? Stefan Meretz erörtert die Potentiale einer neuen Produktionsweise. Wie Beat Ringger ausführt, sind die Erfahrungen der neugegründeten Online-Gewerkschaft //syndikat in der Schweiz ermutigend; das Interesse an gewerkschaftlicher Arbeit in der IT-Branche wächst.
Vom 10. bis 12. Dezember 2003 fand in Genf der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft statt. Wolf Ludwig berichtet über Akteure, Verlauf, Themen und Kontroversen der Vorbereitungskonferenzen. Im Dokument Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft werden Akzente gegen zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung von Wissen und Information gesetzt. Nach Christian Flatz wird die Informations- und Kommunikationstechnologie in Afrika soziale Ungleichheit, Armut und Hunger nicht beseitigen helfen, die postkolonialen Abhängigkeiten hingegen verfestigen. Auch in Lateinamerika, so Uwe Afemann, verstärkt der Interneteinsatz die bereits bestehende Spaltung der unterschiedlichen Gesellschaften sowie die digitale Kluft in der internationalen Informationsordnung.
Die Liberalisierung des globalen Bildungsmarkts, die von wirtschaftlich mächtigen Wohlstandsnationen im Rahmen der GATS-Verhandlungen (WTO) forciert wird, schafft nach Einschätzung von Ingrid Lohmann Bildung als öffentliches Gut ab. Die Analysen und Gutachten über die Auswirkungen des GATS auf das Bildungswesen in der Schweiz resümiert Ruedi Tobler. Jeannine Silja Volken geht es um die Krisen der Bildungsinstitutionen und der beruflichen Qualifikation, um die neuen Armutsrisiken der Ausbildungssysteme. Giorgio Pardini und Walter Schöni skizzieren generelle Trends der Dienstleistungsökonomie, berichten über Arbeitsbedingungen in Call Centers und ziehen arbeits- und gewerkschaftspolitische Schlussfolgerungen.
Im Diskussionsteil interveniert Michael R. Krätke in die SPD-Debatte um soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Sozialstaat. Alex Demirovic erschliesst in seiner Abhandlung über Freiheit und Menschheit bei Theodor W. Adorno neue Aspekte der kritischen Gesellschaftstheorie. Zum Abschluss der zehnbändigen Ausgabe der Gefängnishefte von Antonio Gramsci bilanziert Ruedi Graf die Editionsarbeit und aktualisiert einige Theoreme dieses Werkes.
Marginalien und Rezensionen sowie die Zeitschriftenschau schliessen das Heft 45 ab.
WIDERSPRUCH 45: Bildung, Wissen, Informationstechnologie
216 Seiten, Fr. 25.- / E 16.-,
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