Inhalt und Zusammenfassung, Heft 40

Zukunfts - Perspektiven

Arnold Künzli
Keine Zukunft ohne politische Demokratie und Wirtschaftsdemokratie

Elmar Altvater
Die neue Finanzarchitektur.
Zur Regulation und Reform der internationalen Finanzmärkte

Michael R. Krätke
Europäischer Wohlfahrtskapitalismus.
Aussichten auf einen neuen Reformismus

André Gorz
Vom totalitären Vorhaben des Kapitals.
Notizen zu Jeremy Rifkins "The Age of Access"

Mascha Madörin
Care Economy - ein blinder Fleck der Wirtschaftstheorie

Carola Möller
Solidarische Ökonomie.
Eine Skizze aus feministischer Sicht

Mohssen Massarrat
Chancengleichheit als Ethik der Nachhaltigkeit.
Überlegungen zu einem neuen Konzept

Michael Müller
Energiewende jetzt!
Energiepolitische Herausforderung für Europa

Wilhelm Brüggen
Nach dem Scheitern der Ökosteuer.
Gegen einen ökonomistisch verkürzten Naturbegriff

Burghard Flieger
Sozialgenossenschaften.
Bewältigung gesellschaftlicher Benachteiligung durch kollektive Selbsthilfe

Meinhard Creydt
Partizipatorische Planung und Sozialisierung des Marktes.
Aktuelle Modelle in der angelsächsischen Diskussion

Heiner Busch
Community Policing.
Asylpolitik und Sozialarbeit im Visier des Sicherheitsstaates

Andreas Rieger
Offensive Gewerkschaftspolitik.
Bilanz und Perspektiven

Dan Gallin
Gewerkschaftsbewegung und neuer Internationalismus


Diskussion

Alex Demirovic
Zeitgemäßheit und Theorieform.
Notizen zur kritischen Gesellschaftstheorie

Michael Jäger
Kapitalismus und Christentum.
Religionskritik heute: Über die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der Kirche

Manfred Züfle
Psychoanalytische Orthodoxie als Dissidenz.
Otto Fenichels "Rundbriefe"


Marginalien / Rezensionen

Ueli Mäder
Chronik der Lohnarbeit.
Zu Robert Castels Studie "Die Metamorphosen der sozialen Frage"

Stefan Howald
Stuart Hall und die Cultural Studies

H.-J. Bieling / J. Steinhilber (Hg.):
Die Konfiguration Europas. Dimensionen einer kritischen Integrationstheorie
(Bernd Röttger)

Andrew Watt: What has Become of Employment Policy? / Alain Thierstein et al. (Hg.): Grossregionen. Wunschvorstellung oder Lösungsansatz (Paul Ruppen)

Ulrich Brand et al.: Global Governance. Alternative zur neoliberalen Globalisierung? (Johannes Wolf)

José Bové / François Dufour: Die Welt ist keine Ware. Bauern gegen Agromultis / Heike Walk / Achim Brunnengräber: Die Globalisierungswächter. NGOs und ihre transnationalen Netze im Konfliktfeld Klima. (Urs Sekinger)

Jan Rehmann: Max Weber : Modernisierung als passive Revolution (Ruedi Graf)

Literaturhinweise
Zeitschriftenschau
Autorinnen und Autoren


Inhalt
und Zusammenfassung, Heft 40

20 Jahre WIDERSPRUCH

WIDERSPRUCH - Heft 40

Zukunfts - Perspektiven

Der «Terror der Ökonomie» und die Globalisierungsfolgen, weltweite Ungleichheit und zunehmende Verarmung, soziale Spaltung und Natur-zerstörung, aber auch die heterogene Anti-Globalisierungsbewegung haben in den letzten Jahren neue Kontroversen über Alternativen zur Politik des Kapitals und über linke Perspektiven ausgelöst. Mit Heft 40 liegen Beiträge aus thematisch unterschiedlichen Sachgebieten vor - Entwicklungsanalysen, Forschungsnotizen, Skizzen alternativer Konzepte und Reformperspektiven.

Arnold Künzli plädiert einleitend für eine Rückbesinnung auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit, auf die Tradition des sozialen Ethos. Die Zukunft der radikaldemokratischen Linke liegt in der politischen Demokratie und in der Wirtschaftsdemokratie. Zugleich geht es im Weltkapitalismus, so Elmar Altvater, um Massnahmen gegen die «financial repression» des internationalen Währungs- und Finanzsystems durch Regulation und Reform der internationalen Finanzmärkte. Ob mit dem Modernisierungskurs à la Blair/Schröder der notwendige Umbau des europäischen Wohlfahrtsstaates, der dem Kapitalismusmodell der USA weit überlegen ist, gelingt, ist für Michael R. Krätke bei aller Skepsis noch offen.

In Jeremy Rifkins neuem Buch «The Age of Access» vermisst André Gorz Widerstandsformen gegen die totalitäre Kontrolle der Informations- und Wissensgesellschaft über mehr und mehr Menschen, über die Freizeit- und Kulturindustrie. Der «Hyperkapitalismus» beschleunigt die Ökonomisierung des Sozialen und setzt auf unbezahlte Arbeit, auf Freiwilligenarbeit. Es ist nach Mascha Madörin höchste Zeit, die Debatte über Care Economy aufzunehmen. Carola Möller geht es ebenso aus feministischer Sicht um die Frage nach neuen Wertmassstäben in der Solidarischen Ökonomie, nach bedürfnisorientierter Neugestaltung von Arbeit. Chancen zur Bewältigung gesellschaftlicher Benachteiligung durch kollektive Selbsthilfe sieht Burghard Flieger in Sozialgenossenschaften. Dieser Aktualität des Genossenschaftsgedankens völlig entgegengesetzt ist, wie Heiner Busch ausführt, das sicherheitsstaatliche Konzept «community policing», die Verpolizeilichung zum Beispiel der Asyl- und Ausländerpolitik sowie der Sozialarbeit.

In der Politische Ökologie wird intensiv über Zukunftsfähigkeit diskutiert. Mosshen Massarrat skizziert sein neues Konzept: Chancengleichheit als Universalethik der globalen integrativen Nachhaltigkeit. Der Ausstieg der US-Regierung aus dem Klima-Protokoll von Kyoto Ende März bedeutet eine energiepolitische Herausforderung für Europa. Die Energiewende hat jetzt für Michael Müller erste Priorität in der ökologischen Modernisierung. Allerdings ist dabei, so Willi Brüggen, von der Ökosteuer Abschied zu nehmen und neu über den Zusammenhang von Natur, Arbeit und Energie nachzudenken. Alternative Modelle von partizipatorischer Planung und von der Sozialisierung des Marktes, über die Meinhard Creydt aus dem angelsächsischen Kontext berichtet, bereichern die Debatte über öko-soziale Politik.

Nach den Jahren hoher Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist jetzt in der Gewerkschaftspolitik, so Andreas Rieger in seiner Bilanz, Offensive angesagt, programmatische Neuausrichtung, eine Zukunftsdebatte. In Anbetracht der Globalisierung insistiert Dan Gallin dabei auf eine Reform der Organisationsstruktur und fordert einen neuen Internationalismus der Gewerkschaften.

Den Diskussionsteil eröffnet Alex Demirovic mit seinen Notizen zum Perspektivenwechsel und zu den Reformulierungsansätzen in der kritischen Gesellschaftstheorie. Michael Jäger setzt seine Überlegungen zur Religionskritik fort in der Auseinandersetzung mit der Kirche: Ist die christliche Religion der Unterbau des Kapitalismus? Und Manfred Züfle gibt Einblick in Otto Fenichels «Rundbriefe» aus dem amerikanischen Exil, diesen einzigartigen Fundus in der Geschichte und Theoriebildung der Psychoanalyse. Ueli Mäder stellt Robert Castels Studie «Die Metamorphosen der sozialen Frage» vor und Stefan Howald führt in Stuart Halls Theorieprojekt «Cultural Studies» ein.

Marginalien und Rezensionen schliessen Heft 40 ab.

WIDERSPRUCH 40: Zukunfts - Perspektiven

208 Seiten, Fr./DM 25.-,

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WIDERSPRUCH, Postfach, CH-8026 Zürich

Tel./Fax 0041 (0)1 273 03 02,

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