Inhalt und Zusammenfassung, Heft 38

Globalisierung und Widerstand

Christoph Scherrer
Freihandel als hegemoniales Projekt.
Zur Geschichte der Aussenwirtschaftspolitik in den USA

Rainer Falk
Die Weltwirtschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts

Joachim Bischoff
Herrschaft der Finanzmärkte &endash; Kern der Globalisierung

François Chesnais
Tobin tax &endash; eine internationale Kapitalsteuer

Elmar Altvater / Birgit Mahnkopf
Entschleunigung der Finanzströme durch die Tobin-Steuer

Brigitte Young
Die Herrin und die Magd.
Globalisierung und die Re-Konstruktion von'class, gender and race'

Michael Krätke
Globalisierung und die Ohnmacht der Nationen.
Eine Herausforderung an die Linke

Christoph Butterwegge
Globalisierung, Standortnationalismus und Sozialstaat

Willi Brüggen / Elmar Peine
Die Exportweltmeister und ihre Pyrrhussiege.
Globalisierung, Deutschland und Japan &endash; neue Regionalisierungsstrategien

Hans Schäppi
Globale Strategien der Pharmaindustrie und die Gewerkschaften

Florianne Koechlin
Patente auf Lebewesen.
Gegen die Kontrolle der Ernährungsgrundlagen durch Agrokonzerne


Diskussion : Schuldenkampagne

Dot Keet
Die internationale Kampagne Jubilee 2000.
Forderungen einer Aktivistin aus dem Süden

Gertrud Ochsner
Schuldendebatte und Menschenrechte

Mascha Madörin
Schuldenstreichung &endash; eine Frage der Legitimität?

Barbara Unmüßig
Weltbank und IWF entdecken die Armutsbekämpfung

Dieter Drüssel
Schuldenerlass, Armutsredutkion und die NGO

Ulrich Brand
Global Governance &endash; neue Weltordnungspolitik?


Marginalien / Rezensionen

Beat Dietschy
Globalisierung, Peripherie und Widerstand

Urs Sekinger
Sozial- und Umweltklauseln &endash; Protektionismus gegen den Süden?

Markus Zürcher
Globalisierung, soziale Demokratie und europäische Sozialverfassung

Patrick Ziltener
Kritische Theorie der europäischen Integration. Kongressbericht

M. van Reisen: Global Player EU. (Jens Martens)

P.Ziltener: Strukturwandel der europäischen Integration. (Klaus Dräger)

M. Köppen: Strukturelle Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften. (Christoph Scherrer)

K. Hübner: Der Globalisierungskomplex. (Markus Holenstein)

A. Missbach: Das Klima zwischen Nord und Süd. (Achim Brunnengräber)

H. Busch: Polizeiliche Drogenbekämpfung &endash; eine internationale Verstrickung. (Johannes Wartenweiler)

W.F. Haug: Politisch richtig oder Richtig politisch. (Bernhard Walpen)

Ch. Marazzi: Fetisch Geld. (Thomas Heilmann) &endash;
Der Stammplatz der Socken. (Gottfried Treviranus)

Von der Tobin-Tax zur ATTAC-Kampagne (Marco Feistmann / Peter Streckeisen)

Literaturhinweise
Zeitschriftenschau
Autorinnen und Autoren


Inhalt
und Zusammenfassung, Heft 38

Das neue WIDERSPRUCH-Heft 38 / Dezember 1999/ Januar 2000:

Globalisierung und Widerstand

Sind Handelsliberalisierung und Wachstumsbeschleu-nigung der einzige Weg zur Überwindung von Un-gleichheit und Armut im 21. Jahrhundert? Globalisie-rung "mit menschlichem Antlitz"?
Christoph Scherrer erinnert einleitend an die Geschichte der Aussenwirtschaftspolitik in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg: der Freihandel als hegemoniales Projekt. Eine weltwirtschaftliche Momentaufnahme von Rainer Falk anhand von Jahresberichten der UNCTAD, WTO und Weltbank dokumentiert die Zunahme von Armut und Verelendung insbesondere in den Drittweltländern. Die deregulierten Weltfinanzmärkte und die Transformation zum Shareholder-Kapitalismus in den Metropolen ziehen nach Joachim Bischoff in vielen Staaten einen Umbau der Gesellschaftsordnung nach sich. Wie aber die Macht der Globalfinanz, die totale Liberalisierung der Devisenmärkte einschränken? François Chesnais plädiert für die Tobin-Steuer und eine Kontrolle der Kapitalmärkte. Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf erörtern die Schwierigkeiten bei der Einführung der Tobin-Steuer.

Michael Krätke verortet die Globalisierung im historischen Rahmen der Weltökonomie und des Weltsy-stems. Der Mythos vom Ende des Nationalstaates und der Nationalökonomie ist seines Erachtens ein für die Linke fataler Aberglaube. Globalisierung und Standortwettbewerb treiben nach Willi Brüggen und Elmar Peine Deutschland und Japan in immer ruinösere Exportschlachten. Das Gleichgewicht zwischen dem Binnenmarkt- und dem Weltmarktsektor ist gestört. Die Autoren stellen ihre Reformvorschäge zur Regionalisierung vor. Für Christoph Butterwegge entstand in den neunziger Jahren ein Nährboden für den Standortnationalismus, der für die Globalisierungsverlierer in Europa den modernisierten Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus attraktiv macht. Migration, Globalisierung und Flexibilisierung auf den Arbeitsmärkten haben, so Brigitte Young, im Haushaltsbereich eine wachsende Ungleichheit unter Frauen geschaffen: Herrin und Magd. Ökonomische Faktoren und Folgen der Globalisierung und Fusionen in der Pharmaindustrie analysiert Hans Schäppi. Gewerkschaftsinternationalismus und konkrete Gegenstrategien stehen auf der Tagesordnung. Auch in Ländern der Peripherie wächst, wie Beat Dietschy berichtet, der Widerstand gegen den Globalisierungsdruck. Dies zeigt sich nach Urs Sekinger auch in der Debatte über Arbeitsrechte, Sozial- und Umweltklauseln: ein Protektionismus des Nordens gegen den Süden? Ebenso kontrovers wird, so Ulrich Brand, das Global Governance-Konzept diskutiert: ein Diskurs im Dienste der neuen Weltordnungspolitik? Florianne Koechlin klärt auf, warum nach dem Biosafety-Abkommen die Opposition gegen die Kontrolle über die Ernährungsgrundlagen durch Agrokonzerne und gegen Gentech-Food intensiviert werden muss.

Die internationale Schuldenkampagne Jubilee 2000 ist nach Dot Keet eine Chance, über die Ursachen der Schuldenkrise, über Armut, Ungerechtigkeiten und Krieg in Drittweltländern nachzudenken. Obgleich es Differenzen zwischen den Anti-Verschuldungs-Gruppen im Süden und im Norden gibt, geht es ihr letztlich um den gemeinsamen, solidarischen Kampf für die Schuldenstreichung. Dabei betont Gertrud Ochsner in ihrer Replik die Verrechtlichung globaler Regulierungen und die Menschenrechte. Im Rückblick auf die Schuldenkonferenzen in den letzten zehn Jahren rekapituliert Mascha Madörin die Debatten über Schuldenstreichung. Nach dem Scheitern der Strukturanpassungsprogramme in den Schuldnerländern entdecken IWF und Weltbank die Armutsbekämpfung. Barbara Unmüßig erläutert die Strategiepapiere und Finanzierungsinstrumente. Aus der Sicht der sozialen Widerstandsbewegungen kritisiert Dieter Drüssel die HIPC-Initiativen zum Schuldenerlass und die Rolle der Nicht-Regierungsorganisationen.

Literaturberichte und Rezensionen zum Themenschwer-punkt schliessen Heft 38 ab.

WIDERSPRUCH 38 : Globalisierung und Widerstand. 228 Seiten, Fr./DM -21.--,

WIDERSPRUCH Heft 38: Globalisierung und Widerstand
228 S., 21 Fr./DM,

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